Wird es Zeit, sich an Sportwetten zu versuchen? Jan19

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Wird es Zeit, sich an Sportwetten zu versuchen?

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Wird es Zeit, sich an Sportwetten zu versuchen?

 

König Fußball regiert in Deutschland auch die Sportwettenwelt. Woche für Woche sind Heerscharen von Fans dabei, ihr Vertrauen in die eigene Mannschaft auf dem Tippzettel zu zeigen.

Fußballtoto gibt es in der Bundesrepublik seit mehr als 70 Jahren. Mittlerweile beschränken sich die Tipps allerdings nicht mehr allein auf die deutschen Begegnungen bei der 13er-Ergebniswette und der Auswahlwette 6 aus 45. Auch Matchs in den Königsligen aus England, Frankreich und den Niederlanden sind auf den deutschen Wettzetteln vertreten.

Deutschland hat sich überhaupt zur Hochburg bei den Sportwetten entwickelt, und das trotz der rechtlichen Grauzone. Erlaubt sind derartige Tipps in der Bundesrepublik nämlich eigentlich nur beim staatlichen Lotto-Ableger Oddset, und das bereits seit 2008. Weil die EU allerdings Online-Sportwetten erlaubt, sofern die Anbieter ihre Lizenz aus einem Mitgliedsland der Europäischen Union erhalten haben, besitzen auch Sportfans aus Deutschland Zugang auf andere Webseiten.

 

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Insgesamt war der Einsatz auf sportliche Ereignisse von der Bundesliga bis zum Tennis, Golf und den immer populärer werdenden eSports wie League of Legends allein im Jahr 2019 rund 9,3 Milliarden Euro wert. Im Jahr 2014 waren es mit 4,1 Milliarden Euro weniger als die Hälfte.

Dieser immer weiter wachsende Markt wird sich voraussichtlich ab dem Sommer noch vergrößern, wenn der neue Glücksspielländerstaatsvertrag in Kraft tritt. Darin werden auch bisher mit Ausnahme von Schleswig-Holstein in der Bundesrepublik verbotene Online-Casino und nicht-staatliche Sportwettenanbieter erlaubt. Insgesamt sollen zunächst einmal 20 Konzessionen bundesweit erteilt werden.

Zudem sollen anschließend Webseiten aus dem Ausland nicht mehr zugänglich sein. Damit soll unter anderem das Risiko ausgeschlossen werden, dass die Sportfans womöglich nicht aufpassen und statt auf einer seriösen, streng kontrollierten, in der EU zugelassenen Seite bei einem unseriösen Anbieter aus dem EU-Ausland landen. Zwar bleibt es den Tippern weiterhin selbst überlassen, zu entscheiden, welcher Anbieter ihnen das beste Angebot macht, was etwa einen Willkommensbonus, verschiedene Arten von sicheren Zahlungen und diverse Arten von Fußball-Tipps anbelangt, aber eine kurze Kontrolle genügt, um sich in sicheren Händen zu wissen.

Weil im Zuge des neuen Glücksspielstaatsvertrags auch eine eigene Aufsichtsbehörde geschaffen wird, die unter anderem starken Jugendschutz und die Reduzierung von Suchtgefahr gewährleisten soll, stehen ein paar Sicherheitsmaßnahmen bevor. Damit Wetter sich nicht hinreißen lassen und das letzte Hemd oder gar, wie in England mehrfach geschehen, das Haus setzen und verlieren, wird pro Person ein maximaler Einsatz von 1000 Euro im Monat für jegliche Form des Online-Glücksspiels eingeführt, vom Lotto bis zum Slotspiel. Außerdem wird es eine bundesweite Sperrdatei geben, in die auffällige Spieler aufgenommen werden, beziehungsweise sich freiwillig hinzufügen lassen können.

Wer die begehrten Lizenzen erhalten wird, steht noch nicht fest. Derzeit schon in Deutschland online agierende Anbieter werden im Rahmen einer Übergangsregelung geduldet. Zugleich aber müssen sie beweisen, dass sie sich schon jetzt an die künftig geltenden Regelungen halten, um eine Chance auf eine Lizenz zu haben.

Damit es auch bei den Wetten sportlich fair zugeht, wird es Beschränkungen geben, welche Art von nur am Rande mit den Ereignissen verbundenen Tipps zugelassen werden.

In der Vergangenheit hat es in Europa vor allem im Zusammenhang mit Europameisterschaften und Weltmeisterschaften im Fußball allerlei verrückte Wetten gegeben.

 

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Die höchste Quote mit sage und schreibe 10.000 zu 1 wurde für die Weltmeisterschaft 2010 angeboten. Um das Vermögen zu gewinnen, hätte Deutschland in Südafrika den Titel holen und der damalige Finanzminister Wolfgang Schäuble die Steuern in der Bundesrepublik für einen Tag aussetzen müssen. Im Finale standen allerdings nicht die Schwarz-Rot-Goldenen, sondern Spanien und die Niederlande, sodass Schäuble gar nicht erst ins Spiel kam.

Deutschland als Weltmeister 2010 war auch Teil einer anderen Kombiwette, die mit einer Gewinnquote von 2000 zu 1 angeboten wurde. Doch statt Schäuble beinhaltete der zweite Teil des Tipps einen Auftritt des deutschstämmigen Papsts Benedikt. Der hätte im Fall eines deutschen Sieges auf dem Petersplatz in Rom „We are the champions“ schmettern müssen.

Musik und Fußball wurden auch bei einer anderen skurrilen Wette verbunden. Bei der Europameisterschaft 2008 hätte der Titelgewinn von Gastgeber Österreich in Kombination mit einem gleichzeitigen ersten Platz von DJ Ötzi in den österreichischen Charts immerhin noch eine Quote von 350 zu 1 ergeben. Österreich schied in der Gruppenrunde aus.

Am lukrativsten zeigt sich allerdings noch immer die Kombination aus Sachverstand und einem bisschen Glück. Zwar fällt nicht jedes Spiel so aus wie erhofft, aber die Analyse von bisherigen Spielergebnisse, Spielerform und Wahrscheinlichkeiten machen sich häufig bezahlt. Im Jahr 2017 kassierte ein Tipper aus Schleswig-Holstein für einen Einsatz von umgerechnet rund 1,58 Euro fast 100.000 Euro. Der Fußballexperte hatte den Ausgang von drei Partien im Achtelfinale der Champions League korrekt vorhergesagt.

Da mit jedem Tipp Steuerabgaben seitens des Anbieters verbunden sind, die an das lizenzgebende Land fließen, kann Deutschland ab dem Sommer mit deutlich höheren Einnahmen als bisher durch das Glücksspiel rechnen.

Weil ein Teil der so erzielten Gelder unter anderem in gemeinnützige und soziale Einrichtungen fließen, ist es durchaus möglich, dass der eigene Tipp zwar verkehrt war, aber der heimische Verein dadurch gewinnt. Auch diese Art von Unterstützung kann zum Fandasein dazugehören.